Isst du noch oder ernährst du dich schon?

Essen versus Ernährung

Aus der Ernährungspsychologie weiß man, dass es für das vegetative Nervensystem einen Unterschied macht ob ich esse oder ich mich ernähre. Ich hab bei mir nachgespürt und tatsächlich macht es einen Unterschied. Welchen? Verrate ich noch nicht.

Dann ist mir diese Geschichte dazu eingefallen:

„Der Boden wird genährt von den alljährlichen Überschwemmungen des Nils. Das Wasser bringt fruchtbaren Schlamm an die Ufer. Die Bauern können ihre Felder bestellen. Den Tieren und Pflanzen stehen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung.“ Die sanfte Stimme des Fernsehsprechers verbindet bestimmte Wörter mit den gezeigten Bildern.

„Essen gibt´s! Komm Essen! Beeil dich! Sonst wird es kalt!“ ruft die Mutter aus der Küche.

„Immer wenn es am spannendsten ist, muss ich gehen.“ mault Rudi, zehn Jahre alt, ein begeisterter Naturfilmschauer und –erleber. Er bewegt seinen Körper nur minimal. Die Sätze der Mutter sind wie ein Glockenschlag aus dem Kirchturm, oder die Stimmgabel des Musiklehrers. Jede einzelne Zelle des auditiven Systems erreichend, um dann wieder zu verhallen.

Zurück bleibt der Impuls, der ein: „ich mag jetzt nicht. Ich bin mit Interessanterem beschäftigt“ ausdrückt. Gleichzeitig weiß er auch, und das hat ihn die Erfahrung gelehrt, dass noch Zeit ist.

Und er weiter den Beitrag schauen kann, der auch das Leben verschiedener Kulturvölker zeigt: wie sie mit ihren Tieren umgehen; wie sie ihr Land bewirtschaften oder auf die Jagd gehen.

Plötzlich, ganz aus dem Nichts, hört er seine Mutter sagen: „So mein Schatz, ich weiß, dass dich diese Sendung äußerst interessiert, nur mir ist jetzt wichtig, dass du Essen kommst. Ich stell das Gerät nur auf Stopp, so dass du später genau da wieder weiter schauen kannst. Komm jetzt.“

„Maaaama, nein, ich will das jetzt weiter schauen, du mit deinem Essen.“ Jedoch, zwecklos, die Mutter bleibt dabei. Freundlich und bestimmt bleibt sie bei ihrer Entscheidung.

Schon sitzt er in der Küche, der Teller vor ihm, drauf liegen Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Fleisch. Die linke Hand stützt seinen Kopf, damit er nicht auch noch am Teller landet. Die rechte Hand hält die Gabel mit der er das Essen auf dem Teller durchbewegt, sodass sich Karotte und Erbse ein Duell liefern.

Momente später. Es läutet die Glocke der Wohnungstür. Die Blicke von Rudi und seiner Mutter treffen sich. „Wer kommt den?“ fragt Rudi. Die Mutter zieht die Schultern hoch: „Weiß nicht.“

„OOOOOma!“ Rudi hüpft freudig auf und begrüßt seine Oma.

„Hallo, mein Lieblingsenkel.“

„Aaaach, das sagst du nur, weil ich dein einziger Enkel bin, stimmst´s“

„Ja, du hast recht!“ und zwinkert ihm schelmisch zu. Ich sehe, du hast leckeres Essen am Teller. Kennst du eigentlich den Vornamen vom Reh?“

Nach einer kurzen Nachdenkpause „Nein, Oma!, wie lautet er?“

die Mundwinkel von Oma formen sich zu einem verschmitzten Lächeln „Kartoffelpü-Reh!“

„Ach Mama, Rudi soll essen und keine Späße machen. Er ist eh so ein schlechter Esser.“ Ruft Rudis Mutter genervt und gleichzeitig belustigt aus der Küche.

„Ok, dann essen wir.“ Sagt die Oma. Beide rücken ihre Teller zurecht und schauen auf das Essen. Schweigend. Nur die Geräusche vom Hantieren in der Küche sind zu hören. Immer wieder treffen sich die Blicke von Rudi und Oma. Die Wärme und das Wohlwollen für ihren Enkel ist deutlich zu spüren und zu sehen.

„Mein Vater hat mir, als ich ungefähr so alt war wie du, immer wieder eine Geschichte erzählt. Möchtest du sie hören?“ unterbricht die Oma das Schweigen

„Ja, sehr gerne!“

„Er erzählte, und das ist eine wahre Geschichte: Ich war damals vier oder fünf Jahre alt. Es ist nach der Kartoffelernte. Ich steh nachdenklich vor der eingefahrenen Kartoffelernte. Ein riesiger Haufen. „Soooo viel, Papa, was machen wir damit?“ sag ich zu meinem Vater.

„Wir machen das so: Die eine Hälfte der Kartoffel kommt in den Keller, die andere auf den Markt.“

„Aber Papa, ist das nicht eine Heidenarbeit, all die Kartoffel durchzuschneiden!“

„Ja, so war das.“ Die Großmutter lacht.

„Erzähl noch was.“ Rudi zappelig und voller Interesse an den Geschichten.

Es war eine sehr schöne Zeit, meine Kindheit. Wir hatten einen Fluss, nahe unseres Bauernhauses. Er war Spielplatz und Nahrung zugleich. Nicht nur, dass wir hin und wieder einen Fisch an Land gezogen haben. Immer wieder hatte der Fluss Hochwasser und es kam zu Überschwemmungen, das wiederum unseren Feldern sehr gut getan hatte, sodass unsere Karotten, Kartoffel, Erbsen, gut wachsen konnten und wir uns gut ernähren konnten.“

Rudi sitzt da, still und aufmerksam den Worten der Oma folgend: „Wie, beim Nil.“

 

Wie hältst du es: Isst du noch oder ernährst du dich schon?

Freu mich über deinen Kommentar J

 

 

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