Kühlschrankgeflüster

 

 

 

 

 

 

„Was ist denn da draußen nur los? Halt stopp! Es reicht! Ich krieg keine Luft mehr.“ Ganz nach hinten gequetscht, an die Rückwand, da wo es noch kälter ist, schreit der Mozzarella. Immer noch kommen Sachen dazu. Bratwürstel, Käse, Joghurt, Aufstriche, Schokolade, Marmelade, Butter, Pizza.

Was ist denn da draußen los? Hungersnot? Der Mozzarella ganz verzweifelt.

„Ahhh, die Zeit der Völlerei hat wieder begonnen. Juhuuu, wir haben wieder reichlich Gesellschaft.“ Die Oliven im Glas, die schon bald das zweijährige Dasein feiern, erfreuen sich des vielfältigen Zustroms. Lediglich die Gemüselade ist etwas armselig bestückt. Die Gurke runzelt vorsichtig vor sich hin, gemeinsam mit den Zwiebeln, die schon neue Triebe entwickeln.

„Man sollte dem Mozzarella wirklich helfen. Ist denn da niemand da. Es geht ihm ja wirklich schlecht“, bemerken die Oliven aus den Weiten des Kühlschranks.

„Ach du! Was du wieder hast! Du bist ja schon ewig da. Schau mal auf dein Ablaufdatum!“ Die Pizza, ist genervt. Hört sie dieses Gejammer doch den lieben langen Tag. Auch weil sie weiß, dass auch ihr Ablaufdatum näher rückt und schon wieder Pizzanachschub gekommen ist und wenn sie nicht bald dran kommt erleidet sie das Schicksal ihrer Vorgängerinnen. In ihr werden sich Bakterien entwickeln, die sich rasant vermehren, ihr wird die Energie ausgehen und somit dem sicheren Verfall ausgeliefert sein. Ohne je nützliche Energie für den Menschen bereit gestellt zu haben.

Plötzlich, die Kühlschranktür geht auf, ein großer Lichtschwall blendet. Und wieder Nachschub, dieses Mal für die Gemüselade. Gurken, Radieschen, Salat, Zwiebel, Karotten, Fenchel, Fisolen.
Die Oliven zur Pizza und zum Mozzarella: „Hey pssst – ich verrat euch was. Passt auf!  Fastenzeit ist im Anmarsch. Schaut, dass ihr noch rasch Reserven anlegt, denn – und das weiß ich aus meinen langjährigen Beobachtungen – als nächstes wird noch eine große Portion Fleisch geliefert, mit Vorliebe: Hühnerfleisch. Warum nach dem Gemüse Fleisch geliefert wird, entzieht sich meiner Kenntnis und meinem Verständnis. Jedenfalls kurze Zeit später ist es um euch geschehen und ihr wandert in den Müll.“
„Häää, Reserven anlegen, wie denn, was denn? – Ja, beim Menschen geht´s, das ist ja auch meine Aufgabe. Gut für Energie sorgen, damit es dem Menschen gut geht und er sich auch glücklich fühlt. Ich bin also eigentlich eine Glücksbringerin.“ Die Pizza freut sich über die Erkenntnis und fühlt sich stark, denn sie weiß, sie hat richtig viel Energie, richtig viel Kalorien und das macht sie mächtig „Mir passiert das nicht, die Menschen wollen mich ja, sie essen mich mit viel Freude und Lust“ denkt sie im Geheimen.
Die Schokolade. Ganz in ihrer inneren Traumwelt verschwunden, in der sie einer heißen Schokolade begegnet und einen verliebten Blick zu ihr hinwirft: „Ahhhh, bei deinem Anblick könnt ich glatt dahinschmelzen.“

Menschenhände wühlen im inneren des Kühlschranks herum. Eine gewisse Neupositionierung der Lebensmittel findet statt. Die einen nach rechts oder nach unten. Eiweißhaltiges zu eiweißhaltigem und Gemüse zu Gemüse und … „Ahhh da ist sie ja! Meine Pizza! Den ganzen Tag freu ich mich auf dich. Heute zu meinem Schlemmertag, verdrück ich euch. Noch frische Mozzarella drauf, kurz ins Backrohr und lecker Schmecker.“

Die Olive zu den Anderen: „Ups, ich hab mich wohl geirrt. Mein Glaube, mein Denken, meine Interpretationen, meine Vorannahmen passen grad nicht mit denen des Menschen zusammen. Hätte doch besser Fragen sollen, ob ich richtig liege. So hätte ich den Anderen wohl einiges an Stress erspart. Beim nächsten Mal dann.“

 

 

Anleitungen

Von der Malakofftorte

Zwei, von richtig vielen Nervenzellen wollen ins Rampenlicht. Unbedingt! Sie haben wichtige Missionen zu erfüllen.

Wie jeden Tag um 8:00 Uhr morgens, außer Samstag und Sonntag und manchmal auch irgendwo unregelmäßig innerhalb des Jahres, mach sich ein Mensch auf den Weg.

Er geht und geht und geht, da plötzlich, da ist sie: die Malakofftorte. Aus dem Schaufenster der Konditorei lächelt sie raus. Die Augen schicken die Botschaft, die eine, die einzig wichtige Botschaft: „Malakofftorte in Sicht!!!“ Die Nervenzelle ist bereit, sie weiß was sie zu tun hat: andocken an die Fuß-Nervenzelle und schon ist die Info weitergeleitet und alles nimmt seinen Lauf, Mission Malakofftorte erfüllt.

Die Füße tragen sie sanft und leicht ins Geschäft, der Kellner sieht sie reinkommen, auch er weiß was zu tun ist: Die Malakofftorte ist am Weg. „Danke!“ sagt der Mensch zum Kellner. Die Nervenzelle nimmt die Spannung zurück und wartet bis morgen 8:00 Uhr.

Doch eines Tages, ein neuer Impuls stört die Gewohnheit, ganz klein, kaum wahrnehmbar und doch von Tag zu Tag lauter und kräftiger. Die Nervenzelle muss gehörigen Kraftaufwand betreiben, dass sie die Oberhand behält, dass sie die Füße dazu bewegt in die Konditorei abzubiegen. Sätze wie: „Ich hab´s mir ja verdient, bei dem Stress im Büro brauch ich das vorher, das ist mein einziger Glücksmoment für den ganzen Tag“, helfen dabei.

Bis zu dem Moment, bis zu dem Tag, wo die „Neue“ erstmals gewonnen hat. Immer wieder, immer öfter. Mit allen möglichen Tricks hat die Neue gearbeitet. Mit vorbei Laufen. Mit Lesen. Mit anderen Menschen in Begleitung. Mit Rad fahren. All das hat letztlich gewirkt.

Und jetzt? „Jetzt, bin ich ein Auslaufmodell. Ja, Mission Malakofftorte gescheitert.“

Noch ein letztes Aufbäumen! Noch einmal stark machen! Doch vergebens: „Hey du, du bist draußen. Dieser Mensch mag keine Malakofftorte mehr.“ sagt die Veränderung.

 

 

Weil es so gut schmeckt

Frau Brot sitzt gemütlich in ihrem Sofa und strickt an ihrem Socken, wie häufig nach getaner Arbeit und mit einer speziellen ruhigen Stimmung im Raum.

Sie sieht ihren Sohn, wie er ein Butterbrot mit Schinken isst. „Ah, lecker!“ Sofort werden Erinnerungen an eine Vielzahl von Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Jugendzeit wach. Vergessen ist die Idee: „Du isst nur, wenn du Hunger hast.“

Denn in diesem Moment ist sie wieder das junge achtjährige Mädchen von damals, wie sie jede Menge Butterbrote gegessen hat, das Brot frisch vom Bäcker, ganz weich, ganz frisch, ganz saftig. Die Butter drauf, das schmeckt richtig gut. Einfach nur gut!

Wieder zurück vom Gedankenausflug fragt sie sich: „Heißt es, dass es in meinem zu Hause, damals, zu wenig Gutes gegeben hat?“

Was heißt „gut“?

„Gut“ ist eigentlich etwas Besonderes.

Heißt das, dass es bei mir nichts Besonderes gegeben hat?

Wie komm ich auf die Idee etwas Besonderes zu wollen … „Ahhhhhhhhh, Schluss, Blödsinn. Es geht um ein Brot, ein Brot mit Butter und Schinken drauf – damals war ich ein Kind – heute, ja, was ist heute? Heute bin ich erwachsen, bin ich gewachsen an den Erinnerungen, an den Erfahrungen und esse das Brot mit Butter und Schinken drauf, weil es einfach gut schmeckt.“

Als ich diese Geschichte von einer Klientin gehört habe und die Sitzung zu Ende war, habe ICH mich gefragt: Was heißt eigentlich erwachsen sein? Wie verhalte ich mich als Erwachsene? Und bei welchen Gelegenheiten bin ich noch nicht erwachsen? Und noch einige Fragen mehr 🙂 🙂

Isst du noch oder ernährst du dich schon?

Essen versus Ernährung

Aus der Ernährungspsychologie weiß man, dass es für das vegetative Nervensystem einen Unterschied macht ob ich esse oder ich mich ernähre. Ich hab bei mir nachgespürt und tatsächlich macht es einen Unterschied. Welchen? Verrate ich noch nicht.

Dann ist mir diese Geschichte dazu eingefallen:

„Der Boden wird genährt von den alljährlichen Überschwemmungen des Nils. Das Wasser bringt fruchtbaren Schlamm an die Ufer. Die Bauern können ihre Felder bestellen. Den Tieren und Pflanzen stehen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung.“ Die sanfte Stimme des Fernsehsprechers verbindet bestimmte Wörter mit den gezeigten Bildern.

„Essen gibt´s! Komm Essen! Beeil dich! Sonst wird es kalt!“ ruft die Mutter aus der Küche.

„Immer wenn es am spannendsten ist, muss ich gehen.“ mault Rudi, zehn Jahre alt, ein begeisterter Naturfilmschauer und –erleber. Er bewegt seinen Körper nur minimal. Die Sätze der Mutter sind wie ein Glockenschlag aus dem Kirchturm, oder die Stimmgabel des Musiklehrers. Jede einzelne Zelle des auditiven Systems erreichend, um dann wieder zu verhallen.

Zurück bleibt der Impuls, der ein: „Ich mag jetzt nicht. Ich bin mit Interessanterem beschäftigt“ ausdrückt. Gleichzeitig weiß er auch, und das hat ihn die Erfahrung gelehrt, dass noch Zeit ist.

Und er schaut weiter den Beitrag, der auch das Leben verschiedener Kulturvölker zeigt: Wie sie mit ihren Tieren umgehen; wie sie ihr Land bewirtschaften oder auf die Jagd gehen.

Plötzlich, ganz aus dem Nichts, hört er seine Mutter sagen: „So mein Schatz, ich weiß, dass dich diese Sendung äußerst interessiert, nur mir ist jetzt wichtig, dass du Essen kommst. Ich stell das Gerät nur auf Stopp, so dass du später genau da wieder weiter schauen kannst. Komm jetzt.“

„Maaaama, nein, ich will das jetzt weiter schauen, du mit deinem Essen.“ Jedoch, zwecklos, die Mutter bleibt dabei. Freundlich und bestimmt bleibt sie bei ihrer Entscheidung.

Schon sitzt er in der Küche, der Teller vor ihm, drauf liegen Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Fleisch. Die linke Hand stützt seinen Kopf, damit er nicht auch noch am Teller landet. Die rechte Hand hält die Gabel mit der er das Essen auf dem Teller durchbewegt, sodass sich Karotte und Erbse ein Duell liefern.

Momente später. Es läutet die Glocke der Wohnungstür. Die Blicke von Rudi und seiner Mutter treffen sich. „Wer kommt den?“ fragt Rudi. Die Mutter zieht die Schultern hoch: „Weiß nicht.“

„OOOOOma!“ Rudi hüpft freudig auf und begrüßt seine Oma.

„Hallo, mein Lieblingsenkel.“

„Aaaach, das sagst du nur, weil ich dein einziger Enkel bin, stimmst´s“?

„Ja, du hast recht!“ und zwinkert ihm schelmisch zu. Ich sehe, du hast leckeres Essen am Teller. Kennst du eigentlich den Vornamen vom Reh?“

Nach einer kurzen Nachdenkpause „Nein, Oma!, wie lautet er?“

Die Mundwinkel von Oma formen sich zu einem verschmitzten Lächeln „Kartoffelpü-Reh!“

„Ach Mama, Rudi soll essen und keine Späße machen. Er ist eh so ein schlechter Esser.“ Ruft Rudis Mutter genervt und gleichzeitig belustigt aus der Küche.

„Ok, dann essen wir.“ Sagt die Oma. Beide rücken ihre Teller zurecht und schauen auf das Essen. Schweigend. Nur die Geräusche vom Hantieren in der Küche sind zu hören. Immer wieder treffen sich die Blicke von Rudi und Oma. Die Wärme und das Wohlwollen für ihren Enkel ist deutlich zu spüren und zu sehen.

„Mein Vater hat mir, als ich ungefähr so alt war wie du, immer wieder eine Geschichte erzählt. Möchtest du sie hören?“ unterbricht die Oma das Schweigen

„Ja, sehr gerne!“

„Er erzählte, und das ist eine wahre Geschichte: Ich war damals vier oder fünf Jahre alt. Es ist nach der Kartoffelernte. Ich steh nachdenklich vor der eingefahrenen Kartoffelernte. Ein riesiger Haufen. „Soooo viel, Papa, was machen wir damit?“ sag ich zu meinem Vater.

„Wir machen das so: Die eine Hälfte der Kartoffel kommt in den Keller, die andere auf den Markt.“

„Aber Papa, ist das nicht eine Heidenarbeit, all die Kartoffel durchzuschneiden!“

„Ja, so war das.“ Die Großmutter lacht.

„Erzähl noch was.“ Rudi zappelig und voller Interesse an den Geschichten.

Es war eine sehr schöne Zeit, meine Kindheit. Wir hatten einen Fluss, nahe unseres Bauernhauses. Er war Spielplatz und Nahrung zugleich. Nicht nur, dass wir hin und wieder einen Fisch an Land gezogen haben. Immer wieder hatte der Fluss Hochwasser und es kam zu Überschwemmungen, das wiederum unseren Feldern sehr gut getan hatte, sodass unsere Karotten, Kartoffel, Erbsen, gut wachsen konnten und wir uns gut ernähren konnten.“

Rudi sitzt da, still und aufmerksam den Worten der Oma folgend: „Wie, beim Nil.“

Wie hältst du es: Isst du noch oder ernährst du dich schon?

Freu mich über deinen Kommentar 🙂

 

 

Vom Warten

Es ist Freitag 20:00 Uhr. Der befürchtete Anruf. Herr Button mag gar nicht abheben. Kennt er doch schon seit Wochen, die Meldung: „Herr Button, wir haben wieder eine Störung.“

„Ich muss mich sammeln. Ich muss mich sammeln.“ Herr Button ist völlig außer sich. „Schon wieder!“ immer um dieselbe Zeit, fällt in der Firma: Baumhandel & Partner das Computersystem aus. Jeden Freitag, von 20:00 bis 21:00 Uhr.

Bei Herrn Button liegen die Nerven blank: „Ich schmeiß alles hin. Soll sich doch wer anderer damit herumärgern und dann möchte ich endlich gescheite Arbeitsbedingungen. Ich bin einfach ratlos.“ Er nimmt seine Sachen und geht.

Wieder klingelt das Telefon, seine Freundin Erika ist dran: „Hey, ich hab totalen Stress in der Firma, kannst du heute bei Julian Babysitten? Wenn ich heute nicht in die Firma geh, bin ich meinen Job los.“

Herr Button: „Ja, mach ich.“ Ganz trocken, ganz ruhig, wie ferngesteuert, antwortet er und beendet das Gespräch.

Am Abend sitzt er im Wohnzimmer der Freundin, das Kind schläft. Er sitzt da und wartet. Alles ist ruhig. Kein Fernseher, kein Radio, kein Handy. Nur warten, warten, warten, bis seine Freundin wieder kommt. Er lehnt sich zurück. Nichts denken müssen. Nichts tun müssen. Keine Erwartungen erfüllen müssen. Nur da liegen und warten. Die Zeit vergehen lassen. Sonst nichts.

Dann, plötzlich macht es „klick“ in seinem Kopf, ein Gedanke: „Ja, genau!“ Voll motiviert sitzt er nächsten Freitag im Büro der Firma Bauhandel & Partner und wartet, wartet und wartet. Es wird 20:00 Uhr.

Plötzlich geht die Tür auf, die Putzfrau kommt herein, zieht den Stecker des Computersystems heraus, den Staubsaugerstecker hinein und beginnt den Teppich zu saugen.

Herr Button glücklich: „Wieder was gelernt.“ Und macht sich auf den Weg nach Hause. Das Handy klingelt, die Firma Berg: „Herr Button, Herr Button, wir haben eine Störung.“

Der Berg ruft oder von der Pflicht und der Freiheit

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„AAAAch, jetzt geh ich schon zwei Stunden und bin immer noch nicht oben.“ Frau Berg ist heute im Raxgebiet unterwegs. Sie hatte ihrer Großmutter schon lange versprochen diesen Weg zu gehen, weil es ihre Heimat ist und sie aus körperlichen Gründen die Wanderung nur noch in Gedanken gehen kann. So hat sie kurzerhand versprochen, die Reise für die Oma zu machen und ihr dann über Veränderungen berichten, oder dass eh noch alles beim Alten ist.

Während des Gehens kommt ein Satz in ihr hoch. Sie hatte ihn immer wieder von ihrer Mutter gehört: „Zuerst die Arbeit, dann das Spiel.“ „Ja, so fühl ich mich auch gerade. Immer ist irgendwas zu tun, bevor ich zum Spielen komm.“ Sagt sie zu sich selber. „Ich wünsch mir ein Leben voller Spiel und Spaß. Das wäre schön. Den ganzen Tag machen was Spaß macht. Ja, …“

Plötzlich wird sie aus ihren Gedanken gerissen. Sie hört Schritte hinter ihr. Sie dreht sich um und sieht eine Frau, schlank, groß und in Sportkleidung. Mit sehr festen, sicheren Schritten geht sie an Frau Berg vorbei, lächelt und grüßt. Die Blicke treffen sich. Frau Berg denkt: „Wie kann ein Mensch nur so strahlen, so fröhlich sein? …“

Die unbekannte Frau zieht weiter und ist bald außer Sichtweite.

„Ja, ein Leben voller Spiel und Spaß, das ist es.“ „Ich hatte nie viel Spaß, immer war die Großmutter mit ihren Problemen und Sorgen im Vordergrund. Ich werde noch weiter nachdenken, wie ich Spiel und Spaß in mein Leben bekomme. Über meine Gedanken jetzt, und warum ich gerade jetzt am Berg gehe und was das alles mit meiner Vergangenheit zu tun hat.“ Frau Berg geht weiter. Jetzt mit der Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, die angenehme Waldluft genießend und die schönen Farben des Waldes erkennend.

Beim Hüttenwirt ist unterdessen die unbekannte Frau angekommen. Sie hat sich schon einen gemütlichen Platz in der Sonne ausgesucht und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

„Ja, Frau Schnell, das freut mich, dich wieder auf der Hütte zu sehen. Lange warst du nicht da. Ich hab mich schon gefragt, was wohl mit dir ist.“ Herr Wald ist ehrlich erfreut. „Was darf ich dir bringen? Wie immer?“ „Ja, sehr gerne.“ Frau Schnell verbindet mit dem Hüttenwirt schon eine sehr lange Freundschaft.

„Was ist passiert?“ fragt er, während er das Getränk für Frau Schnell hinstellt.

„Ja, weißt du. Eigentlich viel und auch gar nichts. Ich kann meine Freiheit wieder spüren. Seinerzeit, als ich noch ein Kind war und mit meinem Vater immer wieder mal im Wald war, hatten wir ein Spiel, das ging so: Er fragte mich: „Wo soll´s hingehen?“ Ich ließ mich einfach leiten von meinem inneren Gefühl und lief voran, es war so befreiend. Manchmal ging mein Weg im Zick Zack, manchmal war es einfach nur eine Gerade und mein Vater war hinter mir. Es war so lustig. In diesen Momenten spürte ich: Alles ist möglich, ich war so frei und glücklich, ich dachte über nichts anderes nach. Ich ließ es einfach passieren. An dieses Erlebnis, diese Erfahrung musste ich in letzter Zeit sehr häufig denken. Für diese Lehre für mein Leben, bin ich meinem Vater unendlich dankbar, weil das die Basis für meine Entscheidungen, für mein Tun geworden ist. Ich hab die Größe und Reichweite gar nicht richtig wahrgenommen. Es war so selbstverständlich.

Er ist vor einem Jahr gestorben und ich dachte: Mit ihm ist auch dieses Gefühl der Freiheit gegangen. Ich war völlig neben mir. Mein Gefühl für meinen Körper, mein Blick für die Welt war mit ihm gegangen. Alles Wichtige für meine Zukunft und all die vielen guten Erfahrungen, Erkenntnisse, die mein Leben jetzt bereichern, habe ich von ihm gelernt. Von meinem Vater. Im besonderen dieses Spiel im Wald. Spaß haben und vom Impuls leiten lassen. Heute weiß ich, dass alles noch da ist und dass er für immer einen Platz in meinem Herzen hat.“

Beide lassen das Gesagte wirken, jeder auf seine Weise. Die Welt ist plötzlich ganz ruhig, auch die Bienen, die Hummeln, die Grillen scheinen dieser Stimmung beizuwohnen. Alles ist still. Bis Herr Wald sich wieder bewegt: „Wow, was für eine Geschichte. Ich sehe, es ist ein Gast gekommen. Einen Moment, ich komm gleich wieder“

„Begrüße Sie, was darf ich Ihnen bringen?“

„Ein großes Glas Leitungswasser. Ein sehr großes, bitte.“ Frau Berg lächelt ihn an.

Sie hat es geschafft, diesen Berg hochzuwandern und sie fühlt sich befreit und glücklich. Es macht glücklich: „Es macht mich glücklich.“ Weg von der trüben Stimmung zu Hause. Weg von der Last, die sie sonst zu tragen hat. Tief durchatmend lässt auch sie sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit des Entspannens, beginnt sie die Umwelt wieder wahr zu nehmen. Sie schaut nach rechts, und wieder treffen sich die Blicke. „Die Frau von unterwegs, Grüß dich.“ sagt sie lächelnd in Richtung der unbekannten Frau.

Schnell kommen die beiden ins Gespräch. Die Wellenlänge stimmt. Sie tauschen sich aus, als ob sie schon immer Freundinnen gewesen wären. Die Zeit vergeht wie im Flug, und es ist Zeit den Heimweg anzutreten.

„Du hast du Lust, dass wir uns am Weg zurück einfach von unserem inneren Gefühl leiten lassen?“ fragt Frau Schnell ganz spontan. „Ich hab das oft mit meinem Vater gespielt, und es tut mir so gut.“

Frau Berg kann im ersten Moment nichts mit der Idee und der Spielaufforderung anfangen: „Aber, wir müssen doch …, wir können doch nicht einfach …, ich habe doch meiner Großmutter versprochen …“

„Nur kurz, nur ein kurzes Stück. Mal was anderes machen, oder? Du fängst an.“ Frau Schnell ist begeistert, sie fühlt sich, als wäre sie wieder Kind, und das ist ansteckend für Frau Berg.

„Von innen leiten lassen? Von innen leiten lassen? Da kommt nichts.“

Frau Schnell: „Wird schon, bleib dran.“

Beide stehen. Frau Schnell hinter Frau Berg, geduldig, wie einst auch ihr Vater bei ihr geduldig war. Und tatsächlich, nach anfänglicher Unsicherheit, beginnt Frau Berg eine Richtung einzuschlagen, dann wieder eine andere und nach einem Stückchen wieder geradeaus. So dieser inneren Bewegung folgend, gehen die beiden den Berg hinunter bis zum Platz, wo ihre Autos geparkt sind.

„Wir sehen uns wieder, versprochen.“

„Ja, auf jeden Fall.“

Frau Berg ist am Weg nach Hause zu ihrer Großmutter. „Was soll ich ihr denn sagen? Was hab ich denn versprochen?“ Plötzlich fühlt sie wieder dieses alte Pflichtgefühl, weg ist die gute Stimmung vom Berg. Nur jetzt hat sie beides.

Bei der Großmutter angekommen setzt sie sich zu ihr, nachdenklich, ihre Gedanken nach innen gerichtet und sagt: „Weißt du Oma, ich hatte einen so schönen Tag am Berg, ich hab eine Frau kennengelernt, die mir gezeigt hat, wie sich Freiheit anfühlt. Ich hab auch gelernt, dass ich es nicht für dich machen kann. Ich kann nur mein Leben leben. Ich glaube es ist falsch, wenn ich versuche, es für dich besser zu machen. Ich kenn ja dein Schicksal nicht. Ich bin so jung, ich hab keine Ahnung was bei dir ist und war. Ich sehe nur so ein kleines Stück deines Lebens. Ich lass das alles bei dir. Und wenn du möchtest, erzähle ich dir, was ich für mich erlebt habe, wie ich einige Stunden Freiheit gespürt und gesehen habe und ich jetzt weiß, dass ich mehr davon möchte.“

Elisabeth Walter

Kurz und Gut – hier geht es los!

Am 19.3. findet um 16:00 im Cafe Standard die Generalprobe zu unserem neuartigen Stegreif-Programm „Kurz und Gut“ statt.

Wer von uns kurz ist und wer gut?
Das wird sich weisen …

Wir zwei Reifen werden auf den Steg gehen und uns eine (hoffentlich amüsante)
Wortschlacht zum Thema „Glaubenssätze“ liefern.
In den Hauptrollen: das Publikum
Nebendarsteller: Elisabeth Walter und Ingrid Fischer als „Kurz und Gut“

Um zahlreiches Erscheinen wird nicht gebeten — die Veranstaltung ist ausverkauft!

Wir freuen uns, dich beim nächsten Termin begrüßen zu dürfen!

Frau Ruth

Es war einmal ein kleines Büchlein, das wollte das Licht der Welt erblicken.
Sein Titel: Ein Tag im Leben der Frau Ruth.

Es wurde in sehr geringer Auflage gedruckt und liebevoll von Hand gebunden.
Dieses Kleinod wurde ausschließlich an liebe Freunde verschenkt.

 

Da in mir aber so viel mehr Kreativität steckt, wird es hier immer wieder
Geschichten zu lesen geben.

Gedanken und Überlegungen.
Philosophisches und Lustiges.

Als Geschenk von mir für dich.

Ich hoffe du wirst das Lesen ebenso genießen wie ich das Schreiben.
Elisabeth