Blogs zum Thema Coaching

Das freundliche Nein!

Die Kinder, ein Junge und ein Mädchen, toben in der Wohnung. So richtiges Toben: mit schreien, quietschen, Türen schlagen, Sessel in den Weg werfen, lachen, in allen Variationen: vom Spöttischen bis zum Echten. Eigentlich lieben sie sich ja, die Geschwister, nur manchmal eben auch nicht.

Plötzlich, wie aus dem Nichts steht die Mutter in der Tür, ganz ruhig in der Körperhaltung und auch ihr Gesicht wirkt ganz ruhig. Der Junge, Thomas, bleibt abrupt stehen, zwei Sekunden später Luise, die ihren Lauf nicht mehr rechtzeitig stoppen kann und auf Thomas drauf klatscht. Beide schauen nun ihre Mutter fragend und auch irritiert an. Die Mutter sagt: „Nein, mir wird es zu laut und zu wild. Ich habe Sorge, dass etwas bei eurem Spiel kaputtgeht. Jetzt ist es genug.“ Ganz freundlich, ruhig und doch ist in der Tonalität, wie sie es sagt, etwas Bestimmendes drin, das den Ernst der Lage deutlich macht. Die beiden hören auf.

Noch länger schwingt dieses „Nein“ in den Ohren der Geschwister. Es ist ein Nein, das die gleiche Schwingung hat wie: „Gut, dass du das gemacht hast.“, oder: „Kannst du mir bitte …. bringen.“ Es ist neu für die beiden. Erst nachdem ihre Mutter ein Seminar für Kommunikation besucht hat, ist sie „so drauf“. In diesem Punkt sind sich die Kinder einig: Seit diesem Seminar ist was anders mit ihrer Mutter und sie wissen noch nicht, wie und wo sie dieses „anders“ einordnen sollen.

Früher war alles klar. Wenn die Geschwister mal tobten, oder sich auch um etwas stritten, hatte die Mutter sehr lautstark in Zimmer gebrüllt und die Kinder wussten, jetzt haben wir die Grenze erreicht. Gleichzeitig konnten sie auch noch Beschwerden und Schuldzuweisungen loswerden, weil es ja immer die Anderen sind, die schuld sind. So lange bis die Mutter völlig entnervt das Zimmer verließ.

Luise jedenfalls ist neugierig geworden, warum dieses freundliche Nein so eine Wirkung hat und beginnt damit zu experimentieren, gleich in der Praxis. Als erste Testperson kommt nur Thomas infrage – wer sonst? In den nächsten Stunden ist Luise damit beschäftigt, zu allem was er sagt und tut, mit Nein zu antworten. Mal ein hartes, mal ein zorniges, sehr häufig dieses neue freundliche Nein. Schon bald kann sie die Qualität dieses freundlichen Neins spüren und die Wirkung auf das Gegenüber erkennen. Sie beschließt es noch weiter zu üben, an anderen Testpersonen und Thomas ist „entlassen“.

Vom Warten

 

Es ist Freitag 20:00 Uhr. Der befürchtete Anruf. Herr Button mag gar nicht abheben. Kennt er doch schon seit Wochen, die Meldung: „Herr Button, wir haben wieder eine Störung.“

„Ich muss mich sammeln. Ich muss mich sammeln.“ Herr Button ist völlig außer sich. „Schon wieder!“ immer um dieselbe Zeit, fällt in der Firma: Baumhandel & Partner das Computersystem aus. Jeden Freitag, von 20:00 bis 21:00 Uhr.
Bei Herrn Button liegen die Nerven blank: „Ich schmeiß alles hin. Soll sich doch wer anderer damit herumärgern und dann möchte ich endlich gescheite Arbeitsbedingungen. Ich bin einfach ratlos.“ Er nimmt seine Sachen und geht.

Wieder klingelt das Telefon, seine Freundin Erika ist dran: „Hey, ich hab totalen Stress in der Firma, kannst du heute bei Julian Babysitten? Wenn ich heute nicht in die Firma geh bin ich meinen Job los.“
Herr Button: „Ja, mach ich.“ Ganz trocken, ganz ruhig, wie ferngesteuert, antwortet er und beendet das Gespräch.

Am Abend sitzt er im Wohnzimmer der Freundin, das Kind schläft. Er sitzt da und wartet. Alles ist ruhig. Kein Fernseher, kein Radio, kein Handy. Nur warten, warten, warten bis seine Freundin wiederkommt. Er lehnt sich zurück. Nichts denken müssen. Nichts tun müssen. Keine Erwartungen erfüllen müssen. Nur da liegen und warten. Die Zeit vergehen lassen. Sonst nichts.
Dann, plötzlich „klick“ in seinem Kopf, ein Gedanke: „Ja, genau!“

Voll motiviert sitzt er nächsten Freitag im Büro der Firma Bauhandel & Partner und wartet, wartet und wartet. Es wird 20:00 Uhr.
Plötzlich geht die Tür auf, die Putzfrau kommt herein, zieht den Stecker des Computersystems heraus, den Staubsaugerstecker hinein und beginnt den Teppich zu saugen.
Herr Button glücklich: „Wieder was gelernt.“ Und macht sich auf den Weg nach Hause.
Das Handy klingelt, die Firma Berg: „Herr Button, Herr Button, wir haben eine Störung.“

 

 

Der Berg ruft oder von der Pflicht und der Freiheit

mountains-566644_960_720

„AAAAch, jetzt geh ich schon zwei Stunden und bin immer noch nicht oben.“ Frau Berg ist heute im Raxgebiet unterwegs. Sie hatte ihrer Großmutter schon lange versprochen diesen Weg zu gehen, weil es ihre Heimat ist und sie aus körperlichen Gründen die Wanderung nur noch in Gedanken gehen kann. So hat sie kurzerhand versprochen, die Reise für die Oma zu machen und ihr dann über Veränderungen berichten, oder dass eh noch alles beim Alten ist.

Während des Gehens kommt ein Satz in ihr hoch. Sie hatte ihn immer wieder von ihrer Mutter gehört: „Zuerst die Arbeit, dann das Spiel.“ „Ja, so fühl ich mich auch gerade. Immer ist irgendwas zu tun, bevor ich zum Spielen komm.“ Sagt sie zu sich selber. „Ich wünsche mir ein Leben voller Spiel und Spaß. Das wäre schön. Den ganzen Tag machen was Spaß macht. Ja, …“

Plötzlich wird sie aus ihren Gedanken gerissen. Sie hört Schritte hinter ihr. Sie dreht sich um und sieht eine Frau, schlank, groß und in Sportkleidung. Mit sehr festen, sicheren Schritten geht sie an Frau Berg vorbei, lächelt und grüßt. Die Blicke treffen sich. Frau Berg denkt: „Wie kann ein Mensch nur so strahlen, so fröhlich sein? …“

Die unbekannte Frau zieht weiter und ist bald außer Sichtweite.
„Ja, ein Leben voller Spiel und Spaß, das ist es.“ „Ich hatte nie viel Spaß, immer war die Großmutter mit ihren Problemen und Sorgen im Vordergrund. Ich werde noch weiter nachdenken, wie ich Spiel und Spaß in mein Leben bekomme. Über meine Gedanken jetzt und warum ich gerade jetzt am Berg gehe und was das alles mit meiner Vergangenheit zu tun hat.“ Frau Berg geht weiter. Jetzt mit der Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, die angenehme Waldluft genießend und die schönen Farben des Waldes erkennend.
Beim Hüttenwirt ist unterdessen die unbekannte Frau angekommen. Sie hat sich schon einen gemütlichen Platz in der Sonne ausgesucht und lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

„Ja, Frau Schnell, das freut mich, dich wieder auf der Hütte zu sehen. Lange warst du nicht da. Ich habe mich schon gefragt, was wohl mit dir ist.“ Herr Wald ist ehrlich erfreut. „Was darf ich dir bringen? Wie immer?“ „Ja, sehr gerne.“ Frau Schnell verbindet mit dem Hüttenwirt schon eine sehr lange Freundschaft.
„Was ist passiert?“, fragt er, während er das Getränk für Frau Schnell hinstellt.
„Ja, weißt du. Eigentlich viel und auch gar nichts. Ich kann meine Freiheit wieder spüren. Seinerzeit, als ich noch ein Kind war und mit meinem Vater immer wieder mal im Wald war, hatten wir ein Spiel, das ging so: Er fragte mich: „Wo soll’s hingehen?“ Ich ließ mich einfach leiten von meinem inneren Gefühl und lief voran, es war so befreiend. Manchmal ging mein Weg im Zick Zack, manchmal war es einfach nur eine Gerade und mein Vater war hinter mir. Es war so lustig. In diesen Momenten spürte ich: Alles ist möglich, ich war so frei und glücklich, ich dachte über nichts anderes nach. Ich ließ es einfach passieren. An dieses Erlebnis, diese Erfahrung musste ich in letzter Zeit sehr häufig denken. Für diese Lehre für mein Leben, bin ich meinem Vater unendlich dankbar, weil das die Basis für meine Entscheidungen, für mein Tun geworden ist. Ich habe die Größe und Reichweite gar nicht richtig wahrgenommen. Es war so selbstverständlich.

Er ist vor einem Jahr gestorben und ich dachte: Mit ihm ist auch dieses Gefühl der Freiheit gegangen. Ich war völlig neben mir. Mein Gefühl für meinen Körper, mein Blick für die Welt war mit ihm gegangen. Alles Wichtige für meine Zukunft und all die vielen guten Erfahrungen, Erkenntnisse, die mein Leben jetzt bereichern, habe ich von ihm gelernt. Von meinem Vater. Im Besonderen dieses Spiel im Wald: Spaß haben und vom Impuls leiten lassen. Heute weiß ich, dass alles noch da ist und dass er für immer einen Platz in meinem Herzen hat.
Beide lassen das Gesagte wirken, jeder auf seine Weise. Die Welt ist plötzlich ganz ruhig, auch die Bienen, die Hummeln, die Grillen scheinen dieser Stimmung beizuwohnen. Alles ist still. Bis Herr Wald sich wieder bewegt: „Wow, was für eine Geschichte. Ich sehe, es ist ein Gast gekommen. Einen Moment, ich komme gleich wieder.

„Begrüße Sie, was darf ich Ihnen bringen?“
„Ein großes Glas Leitungswasser. Ein sehr großes, bitte.“ Frau Berg lächelt ihn an.
Sie hat es geschafft, diesen Berg hoch zuwandern und sie fühlt sich befreit und glücklich. Es macht glücklich: „Es macht mich glücklich.“ Weg von der trüben Stimmung zu Hause. Weg von der Last, die sie sonst zu tragen hat. Tief durchatmend lässt auch sie sich die Sonne ins Gesicht scheinen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit des Entspannens, beginnt sie die Umwelt wieder wahr zu nehmen. Sie schaut nach rechts und wieder treffen sich die Blicke. „Die Frau von unterwegs, Grüß dich.“, sagt sie lächelnd in Richtung der unbekannten Frau.
Schnell kommen die beiden ins Gespräch. Die Wellenlänge stimmt. Sie tauschen sich aus, als ob sie schon immer Freundinnen gewesen wären. Die Zeit vergeht wie im Flug und es ist Zeit den Heimweg anzutreten.
„Du hast du Lust, dass wir uns am Weg zurück einfach von unserem inneren Gefühl leiten lassen?“, fragt Frau Schnell ganz spontan. „Ich habe das oft mit meinem Vater gespielt und es tut mir so gut.“
Frau Berg kann im ersten Moment nichts mit der Idee und der Spielaufforderung anfangen: „Aber, wir müssen doch …, wir können doch nicht einfach …, ich habe doch meiner Großmutter versprochen …“

„Nur kurz, nur ein kurzes Stück. Mal was anderes machen, oder? Du fängst an.“ Frau Schnell ist begeistert, sie fühlt sich, als wäre sie wieder Kind, und das ist ansteckend für Frau Berg.
„Von innen leiten lassen? Von innen leiten lassen? Da kommt nichts.“
Frau Schnell: „Wird schon, bleib dran.“
Beide stehen. Frau Schnell hinter Frau Berg, geduldig, wie einst auch ihr Vater bei ihr geduldig war. Und tatsächlich, nach anfänglicher Unsicherheit, beginnt Frau Berg eine Richtung einzuschlagen, dann wieder eine andere und nach einem Stückchen wieder geradeaus. So dieser inneren Bewegung folgend, gehen die beiden den Berg hinunter bis zum Platz, wo ihre Autos geparkt sind.
„Wir sehen uns wieder, versprochen.“
„Ja, auf jeden Fall.“
Frau Berg ist am Weg nach Hause zu ihrer Großmutter. „Was soll ich ihr denn sagen? Was hab ich denn versprochen?“ Plötzlich fühlt sie wieder dieses alte Pflichtgefühl, weg ist die gute Stimmung vom Berg. Nur jetzt hat sie beides.

Bei der Großmutter angekommen setzt sie sich zu ihr, nachdenklich, ihre Gedanken nach innen gerichtet und sagt: „Weißt du Oma, ich hatte einen so schönen Tag am Berg, ich habe eine Frau kennengelernt, die mir gezeigt hat, wie sich Freiheit anfühlt. Ich habe auch gelernt, dass ich es nicht für dich machen kann. Ich kann nur mein Leben leben. Ich glaube, es ist falsch, wenn ich versuche, es für dich besser zu machen. Ich kenne ja dein Schicksal nicht. Ich bin so jung, ich habe keine Ahnung, was bei dir ist und war. Ich sehe nur so ein kleines Stück deines Lebens. Ich lasse das alles bei dir. Und wenn du möchtest, erzähle ich dir, was ich für mich erlebt habe, wie ich einige Stunden Freiheit gespürt und gesehen habe und ich jetzt weiß, dass ich mehr davon möchte.“