Von der Malakofftorte

 

 

Wie jeden Tag um 8:00 Uhr morgens, außer Samstag und Sonntag und manchmal auch irgendwo unregelmäßig innerhalb des Jahres, macht sich ein Mensch auf den Weg.
Er geht und geht und geht und siehe da – plötzlich, im Schaufenster der Konditorei – lächelt eine Malakofftorte raus. Die Augen schicken die Botschaft: die eine, die einzig wichtige Botschaft: „Malakofftorte in Sicht!!!“ Die Nervenzelle ist bereit, sie weiß was sie zu tun hat: andocken an die andere Nervenzelle und schon ist die Info weitergeleitet an die Füße und alles nimmt seinen Lauf – Mission Malakofftorte erfüllt.
Die Füße tragen sie sanft und leicht ins Geschäft, der Kellner sieht sie hereinkommen, auch er weiß was zu tun ist: Die Malakofftorte ist am Weg. „Danke!“, sagt der Mensch zum Kellner. Die Nervenzelle nimmt die Spannung zurück und wartet auf morgen 8:00 Uhr.

Doch eines Tages, ein neuer Impuls stört die Gewohnheit, ganz klein, kaum wahrnehmbar und doch von Tag zu Tag lauter und kräftiger. Die Nervenzelle muss gehörigen Kraftaufwand betreiben, dass sie die Oberhand behält, dass sie die Füße dazu bewegt in die Konditorei abzubiegen. Sätze wie: Ich hab’s mir ja verdient, bei dem Stress im Büro brauch ich das vorher, das ist mein einziger Glücksmoment für den ganzen Tag, helfen dabei.

Bis zu dem Moment, bis zu dem Tag, wo die „Neue“ erstmals gewonnen hat. Immer wieder, immer öfter. Mit allen möglichen Tricks hat die Neue gearbeitet. Mit vorbei Laufen. Mit Lesen. Mit anderen Menschen in Begleitung. Mit Rad fahren. All das hat letztlich gewirkt.

Und jetzt? „Jetzt, bin ich ein Auslaufmodell. Ja, Mission Malakofftorte gescheitert.“
Noch ein letztes Aufbäumen! Noch einmal stark machen! Doch vergebens: „Hey du, du bist draußen. Dieser Mensch mag keine Malakofftorte mehr.“ sagt die Veränderung.